Formel 1: Radikaler Neustart auf mehreren Ebenen

Die dramatische Entscheidung in Abu Dhabi, in der der Red-Bull-Star Verstappen dank einer Safety-Car-Phase kurz vor Schluss und einer bis heute umstrittenen Entscheidung des damaligen Rennleiters Michael Masi Hamilton den sicher geglaubten achten WM-Titel entriss, war die spannendste der jüngeren Vergangenheit.

Dennoch wurden von den Verantwortlichen bereits im Vorfeld die Weichen auf noch mehr Nervenkitzel gestellt. Der Abstand zwischen Führendem und Letztem soll schrumpfen, die Zahl der Zweikämpfe deutlich steigen – und das nicht nur dank einer in die Wege geleiteten Aerodynamikrevolution. Neue Strecken und mehr Sprintrennen sollen zusätzlich für mehr Abwechslung sorgen.

Formel 1: Die letzte Runde 2021

Am 12.12.2021 fand in Abu Dhabi das wohl dramatischste und im Nachhinein meistdiskutierte Formel-1-Finale der Geschichte statt. Max Verstappen ging nach einer umstrittenen Entscheidung von Rennleiter Michael Masi nach einer Safty-Car-Phase an Hamilton vorbei und krönte sich zum ersten Mal zum Weltmeister.

Weniger Verwirbelungen und neue Reifen

Die Ingenieure des Weltverbandes FIA und der Formel 1 haben zur Entwicklung der neuen Aerodynamikregeln 7.500 Simulationen durchgespielt und dabei rund ein halbes Petabyte an Daten erzeugt – das entspricht etwa einem Drittel der zehn Milliarden Fotos auf Facebook. Das Ergebnis sind tiefgreifende Änderungen. So ist zum Beispiel der Unterboden nicht mehr flach, sondern gewölbt und hat Luftkanäle. Der Frontflügel wurde vereinfacht, er besteht nur noch aus vier Elementen und ist direkt mit der Nase verbunden.

Dazu kommt ein neuer, geschwungener Heckflügel, die Seitenkästen wurden ebenfalls markant überholt. All das soll dafür sorgen, dass es weniger Luftverwirbelungen an den Hecks der Boliden gibt. Dadurch sollen die Verfolger nicht mehr so viel Abtrieb verlieren, enger am Vordermann bleiben und so den Fans mehr Überholmanöver und letztlich mehr Action bieten können.


Reuters/Hamad I Mohammed

In einem rundum neuen Boliden macht sich Verstappen auf die Mission Titelverteidigung

Ein weiteres Ergebnis der Technikrevolution ist der überarbeitete Reifen. Statt der ballonartigen 13-Zoll-Reifen, die auch fast gar nicht mehr bei Straßenautos verwendet werden, kommen 18-Zoll-Reifen zum Einsatz. Ihr Profil ist flach, die Pneus sehen dadurch moderner aus. Zudem sind die Radkappen zurück. Über den Vorderreifen gibt es außerdem Kotflügel. Durch diese Luftleitelemente gibt es ebenfalls weniger Verwirbelungen am Heck.

22 Rennen mit einer Premiere

Die Spannung hätte ursprünglich bei 23 Rennen hochgehalten werden sollen, nach der Absage des Grand Prix von Russland sind aktuell noch 22 im Kalender. Um die Belastung für Teams und Angestellte nicht weiter wachsen zu lassen, entschied sich die Formel 1 zu einer Anpassung des Wochenendformats. An Grand-Prix-Wochenenden, an denen kein Sprint ausgetragen wird, sind die ersten beiden jeweils einstündigen Trainings erst für Freitagnachmittag angesetzt. Am Vormittag finden die Mediensprechstunden statt, die sonst für Donnerstag terminiert waren. Dadurch sollen die Teams entlastet werden, die Fans bekommen weiter drei Tage mit Action auf dem Asphalt geboten.

Zusätzliche Action gibt es auch in den USA. Denn neben dem Großen Preis der Vereinigten Staaten nahe der texanischen Hauptstadt Austin macht die Königsklasse des Motorsports am 8. Mai erstmals auch im Großraum Miami Station. Die Metropole in Florida ist der insgesamt elfte US-Standort in der Formel-1-Geschichte. Der Grand Prix von Miami hat einen Vertrag über zehn Jahre. Der Kurs verspricht schon vom Umfeld her ein Spektakel. Die 5,41 km lange Strecke führt rund um das Hard Rock Stadium im Vorort Miami Gardens. Im Normalbetrieb ist die Arena die Heimstätte der Miami Dolphins aus der National Football League (NFL).

Baustelle der neuen Strecke in Miami


AP/Lynne Sladky

Im Schatten des Hard Rock Stadiums geht es im Mai erstmals auch um WM-Punkte in der Formel 1

Neuer Fahrer, neue Rennleiter

An der Action in Miami wird mit Guanyu Zhou erstmals auch ein chinesischer Pilot beteiligt sein. Zhou ersetzt bei Alfa Romeo den Italiener Antonio Giovinazzi. Zhou fuhr seit 2019 in der Formel 2 und war auch Testpilot bei Alpine. In der höchsten Nachwuchsklasse landete der 22-Jährige aus Schanghai in der vergangenen Saison auf Rang drei. „Der erste chinesische Fahrer in der Formel 1 zu sein, ist ein Durchbruch in der Geschichte des chinesischen Motorsports“, sagte Zhou, den eine Mitgift seiner Sponsoren für die Formel 1 attraktiv gemacht hat. Ma Qinghua war 2012 der erste Chinese in der Formel 1 gewesen, für einen Renneinsatz reichte es bei ihm nie.

Damit Zhou seiner Arbeit in geordneten Bahnen nachgehen kann, obliegt heuer nicht mehr Masi, sondern mit dem Deutschen Niels Wittich, früher Rennleiter der DTM, und Eduardo Freitas aus Portugal einem Duo. Masi musste nach der umstrittenen WM-Entscheidung im vergangenen Jahr seinen Posten räumen. Der Australier hatte mit kontroversen Entscheidungen erst das entscheidende Überholmanöver von Verstappen gegen Hamilton ermöglicht. Masi bekommt einen neuen Posten angeboten.

Seine Aufgaben teilen sich nun Wittich und Freitas. Die beiden werden sich als Rennleiter abwechseln und bei ihrer Arbeit zusätzlich von FIA-Urgestein Herbie Blash als Berater unterstützt. Installiert wird zudem ein virtueller Rennkontrollraum – ähnlich dem Videoreferee im Fußball – wodurch auch in direktem Kontakt mit dem Rennleiter die Entscheidungsfindung verbessert werden soll. Der Funkverkehr zwischen Rennleitung und Teams, der in der vergangenen Saison mehrmals die immer wieder versuchte Einflussnahme der Teamchefs offenbart hatte, wird nicht mehr übertragen.

Formel-1-Kalender 2022

20.03. GP von Bahrain in Sachir 16.00 Uhr/ORF
27.03. GP von Saudi-Arabien in Dschidda 19.00 Uhr
10.04. GP von Australien in Melbourne 7.00 Uhr/ORF
24.04. GP der Emilia-Romagna in Imola 15.00 Uhr
08.05. GP von Miami 21.30 Uhr
22.05. GP von Spanien in Barcelona 15.00 Uhr/ORF
29.05. GP von Monaco in Monte Carlo 15.00 Uhr/ORF
12.06. GP von Aserbaidschan in Baku 13.00 Uhr
19.06. GP von Kanada in Montreal 20.00 Uhr/ORF
03.07. GP von Großbritannien in Silverstone 16.00 Uhr
10.07. GP von Österreich in Spielberg 15.00 Uhr/ORF
24.07. GP von Frankreich in Le Castellet 15.00 Uhr
31.07. GP von Ungarn in Budapest 15.00 Uhr/ORF
28.08. GP von Belgien in Spa-Francorchamps 15.00 Uhr
04.09. GP der Niederlande in Zandvoort 15.00 Uhr/ORF
11.09. GP von Italien in Monza 15.00 Uhr/ORF
25.09. GP von Russland in Sotschi abgesagt
02.10. GP von Singapur 14.00 Uhr/ORF
09.10. GP von Japan in Suzuka 7.00 Uhr
23.10. GP der USA in Austin 21.00 Uhr/ORF
30.10. GP von Mexiko in Mexiko-Stadt 21.00 Uhr
13.11. GP von Brasilien in Sao Paulo 19.00 Uhr/ORF
20.11. GP von Abu Dhabi 14.00 Uhr

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Formel 1: Radikaler Neustart auf mehreren Ebenen

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